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Warum Hagar ihr Baby beschneiden lässt und nicht versteht, daß sich Deutsche da einmischen

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" ZÜNDSTOFF GLAUBE - CHRISTEN DEBATTIEREN MIT MUSLIMEN "

Monotheismus

Monotheismus ist der Glaube, dass es nur einen einzigen Gott gebe. Der Begriff steht in Polarisation zum Polytheismus, dem Glauben, dass es eine Vielzahl von Göttern gebe. Historisch ist der Ein-Gott-Glaube eine spätere Erscheinung als der Vielgötterglaube. Die alten Völker, die Griechen, Römer, Germanen, Kelten, Ägypter, Babylonier usw. glaubten ausnahmslos an eine Göttervielheit. Frühe, aber nicht lange überdauernde Ansätze zu einem Ein-Gott-Glauben gab es unter dem ägyptischen Pharao Echnaton (ca. 1350 v.Chr.), der den Gott Aton in Gestalt der Sonne zum allein zu verehrenden Gott erhob – die Existenz anderer Gottheiten wurde dabei jedoch nicht verneint.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei den alten Hebräern, den Vorfahren der Juden. Auch sie bestritten nicht die Existenz der Götter anderer Völker, sie waren lediglich auf »ihren« Gott Jahwe eingeschworen, dem sie bedingungslos zu folgen hatten. Ursprünglich war Jahwe nur der Hauptgott, dem eine weibliche Gottheit und einige untergeordnete Götter beigesellt waren. Erst nach und nach erwuchs daraus der Glaube, dass es neben Jahwe keine anderen Götter gebe. Dies war der Beginn des klassischen Monotheismus.

Die Definitionen von Monotheismus und Polytheismus bezeichnen nur ein theoretisches Gegensatzpaar; in der Realität der gelebten Religionen gibt es Übergangsformen, die nicht so eindeutig zuzuordnen sind. Am Beispiel von vier Weltreligionen wird dies im Folgenden verständlich.

Hardliner-Monotheismus in Judentum und Islam

Das Judentum und der Islam sind die am eindeutigsten als monotheistisch einzustufenden Religionen. In beiden gilt es als unumstößliche Grundwahrheit, dass Gott ein Einziger ist und keine anderen Götter existieren. Der Unterschied zwischen Judentum und Islam in diesem Punkt liegt nicht in der Theologie, sondern eher im praktischen oder historischen Stellenwert. Für Muslime war und ist die Anbetung von Göttern und Heiligen die größte Sünde, die Menschen Gott gegenüber begehen können. Sie muss deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden.

Aus der Sicht islamischer Theologen ist unter den großen Religionen der Hinduismus mit seinem Vielgötterglauben und seiner »Götzenanbetung« besonders verachtenswert. Als islamische Heere ab dem 8. Jahrhundert große Teile Indiens eroberten, zerstörten sie in ihrem dortigen Machtbereich auch konsequent so gut wie alle Hindu-Tempel. Erst im Laufe mehrerer Jahrhunderte konnten sich die muslimischen Machthaber in Indien zu einer Duldung und relativ friedlichen Koexistenz mit den Hindus durchringen – die Hindus bildeten immerhin den weitaus größten Bevölkerungsanteil.

Die Sonderstellung des hinduistischen Gottesbegriffs

Ist der Hinduismus nun ein echter Polytheismus? Eher nicht. Zweifellos glauben die Hindus an eine Vielzahl von Göttern und beten diese auch an. Befragt man jedoch Hindu-Priester oder gewöhnliche Hindu-Gläubige nach ihrem Gottesbild, so werden sie darauf bestehen, dass es nur einen einzigen Gott hinter allem Geschehen gibt – den Schöpfer, Weltenlenker und Weltzerstörer (am Ende der Zeiten). Die vielen Götter werden als Gottes viele Erscheinungsformen gesehen. Es spielt für die Hindus untereinander daher keine große Rolle, ob jemand Gott in der Gestalt Krishnas, Ramas, Shivas oder der Muttergottheit verehrt. Alle Formen der Anbetung fließen letztendlich in dem Einen Gott zusammen. Hindus können deshalb z.B. auch die Anbetung der Gottesgestalt Jesu Christi als einen – aber nicht den einzigen – Weg zu Gott anerkennen.

Die christliche Dreifaltigkeit und die Kontroverse mit dem Islam

Das Christentum wird von den eigenen Theologen für monotheistisch angesehen. Auch der gewöhnliche Gläubige hat keinen Zweifel, dass man im Christentum an die Existenz nur eines einzigen Gottes glaubt. Soweit die Selbstwahrnehmung. Aus islamischer Sicht stellt sich dies anders dar. Der vielleicht wichtigste Angriffspunkt gegen die christliche Theologie ist deren Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes, d.h. dass Gott zugleich Vater, Sohn und Heiliger Geist sei. Jesus Christus wird zugleich als Gott und Mensch betrachtet und entsprechend auch verehrt. Hinzu kommt – zumindest im katholischen und orthodoxen Christentum – die Verehrung Marias als »Mutter Gottes«.

Man muss zugeben, dass die Lehren der Dreifaltigkeit, der Christologie und der Mariologie für christliche Laien oft nur schwer verstehbar sind und von diesen meist auch nicht hinterfragt werden. Für Muslime sind sie in aller Regel ganz unverständlich – abgesehen davon, dass sich islamische Gelehrte leider auch so gut wie nie bemühen, diese zu verstehen. Deshalb wird der christliche Glaube von den allermeisten Muslimen auch für einen verfälschten Ein-Gott-Glauben oder gar Vielgötterglauben gehalten, in dem neben Gott bzw. Allah auch Jesus, Maria und Heilige göttergleich angebetet werden. Dass Christen an den Heiligen Geist glauben, wird von Muslimen nicht nur nicht verstanden, sondern völlig ignoriert bzw. ausgeblendet. Nicht nur muslimische Laien, sondern auch viele islamische Theologen – die es eigentlich besser wissen könnten – beharren darauf, dass die christliche Dreifaltigkeit aus Gott, Jesus und Maria bestehe, nur weil es so im Koran erwähnt wird (5,116).

Im protestantischen Christentum werden zwar weder Maria noch irgendwelche Heiligen verehrt, doch aus islamischer Sicht macht dies nur einen geringfügigen Unterschied. Denn auch Protestanten glauben an die Heilige Dreifaltigkeit (Trinität). Eine Reihe von Koranversen (4,171; 19,34f.; 5,72 u.a.) richtet sich gegen diese Lehre und die damit verbundene Vergöttlichung Jesu. Jesus ist in islamischer Sicht nicht der Christus, also Messias und Erlöser, auch nicht Gottes Sohn – denn Gott ist der Schöpfer, aber kein Vater – und schon gar nicht Gott selbst in menschlicher Gestalt, wie es die Trinitätstheologie nahelegt. Nach dem Koran ist Jesus einer der großen Propheten, der auch schon den Islam verkündet hatte, dessen Lehre aber von seinen Anhängern verfälscht wurde.

Heiligenkulte in Islam und Judentum

Auf der anderen Seite gibt es Heiligenverehrung auch im Islam. Orthodoxe Theologen lehnen diese freilich ab, doch aus dem islamischen Volksglauben und Alltag ist die Heiligenverehrung nicht wegzudenken. Der größte Teil des islamischen Verbreitungsgebietes ist mit Heiligengräbern und -mausoleen geradezu überzogen. Sie bilden Anziehungspunkte für die regionale Bevölkerung, Ziele für kleine Wallfahrten. Die meisten Muslime glauben, dass ihr besonders verehrter Heiliger ihnen besonderen Beistand bei Gott gewährt und ihnen auch hilft, wichtige Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Die Bedeutung der Heiligenverehrung ist im Volksislam bis heute etwa ähnlich groß wie im Christentum vor der Reformation.

Mit aller Vorsicht kann auch gesagt werden, dass auf emotionaler – nicht theologischer – Ebene starke Ähnlichkeiten bestehen zwischen der Verehrung Jesu im volkstümlichen Christentum und der Verehrung Muhammads im volkstümlichen Islam sowie der Verehrung von Ali, Fatima und deren Söhne Hassan und Hussain im Schiitentum. Diese gelten in der Lehre selbstverständlich »nur« als Menschen, werden in der religiösen Praxis aber eher als fehlerfreie und geradezu unerreichbare Über-Menschen verehrt und gefeiert. Allah hat sie mit besonderen Aufgaben bedacht und dadurch vor alle Gläubigen als leuchtende Vorbilder gestellt.

Auch im Judentum ist der Heiligenkult bekannt, vor allem in der großen Strömung des ursprünglich aus Osteuropa stammenden Chassidismus. Zu den Gräbern der großen chassidischen Rabbiner in den USA und sogar in Osteuropa pilgern jährlich Hunderttausende von gläubigen Juden und erhoffen sich dort spirituellen Beistand und so manche Wundertaten.

Ist der Monotheismus »besser« oder »vernünftiger« als andere Glaubensformen?

Christen, Juden, Muslime und auch viele Nicht-Gläubige sind der Überzeugung, dass der Ein-Gott-Glaube intellektuell und ethisch »höher stehend« sei als der Glaube an viele Götter. Diese Haltung wird auch dadurch gefördert, dass man heute ganz allgemein an eine stetige »Höherentwicklung« der Menschheit glaubt. Alte Religionsformen wie der Polytheismus erscheinen daher den westlichen Menschen als »primitiv« und überholt. Dies ist jedoch ein reines Vorurteil; die Behauptung lässt sich weder philosophisch noch historisch begründen, im Gegenteil. Aus der Geschichte sind keine Kriege zwischen Völkern mit Vielgötterglauben bekannt, bei denen die Religion eine größere Rolle spielte. Bei religiös motivierten Kriegen waren entweder beide Parteien Völker mit einem monotheistischen Glauben oder eine monotheistische Partei überfiel ein »heidnisches« Volk, um diesem einen neuen Glauben aufzuzwingen.

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat in seinem Buch »Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen« ausführlich typische gemeinsame Schwachstellen von Judentum, Christentum und Islam aufgezeigt. Dazu gehören Eiferertum, Beharren auf einer einfachen und einzigartigen Wahrheit, Ausblenden von Vieldeutigkeit, weltanschauliche Intoleranz und Gewaltbereitschaft; außerdem in Bezug auf Gott ein Knecht-Herr-Verhältnis bis zur krankhaften Selbstverzehrung des Dienenden.

Auf der anderen Seite sind seit etwa einem halben Jahrhundert gerade im Westen das Verständnis des Vielgötterglaubens und die Sympathie für ihn gewachsen. Es gibt in unserer postmodernen Gesellschaft eine größere Zahl von Esoterikern und »Neu-Heiden«, die nach eigenem Bekunden lebendige Erfahrungen mit Engeln, Naturgeistern und götterähnlichen Himmelswesen gesammelt haben. Der bedeutende Altphilologe Walter F. Otto, der sich zeitlebens mit der griechischen Religion auseinandersetzte, war von der realen Existenz der Götter überzeugt. Die Analytische Psychologie von C.G. Jung mit ihrer Lehre vom Kollektiven Unbewussten und von den Archetypen, die z.T. götterähnliche Charakteristiken aufweisen oder sich auf diese beziehen, baut ebenfalls eine Brücke zum Polytheismus. Das Erkennen der Archetypen und die Fähigkeit zu einem angemessenen Umgang mit ihnen werden als Reife und Stärke betrachtet.

Schlussfolgerungen

Wie man aus dem Vergleich der großen Religionen und ihren volkstümlichen Formen ersehen kann, ist es nicht möglich, eine scharfe Trennungslinie zwischen dem Monotheismus und dem Polytheismus zu ziehen. Für einen Außenstehenden ist es meist nicht klar erkennbar, wo die Heiligenverehrung aufhört und der Götterkult anfängt, wo – subjektiv und seelisch – der prinzipielle Unterschied liegen soll. Die Erkenntnisse aus Vergleichender Religionswissenschaft und Analytischer Psychologie legen es nahe, dass der Mensch eine seelische Neigung hat, an götterähnliche höhere Wesen und vergöttlichte Menschen zu glauben, sich also mit dem Einen, abstrakten Gott nicht zufrieden geben zu können.

In den drei übrigen, oben nicht abgehandelten großen Religionskulturen – in der chinesischen Volksreligion, im Buddhismus und in den Stammes- oder Naturreligionen – kennt man nur die Verehrung von Göttern oder götterähnlichen Wesen (bzw. Buddhas und Bodhisattwas), nicht jedoch den Glauben an Gott. Dies deutet darauf hin, dass es sich beim Polytheismus um eine unausrottbare Grundkonstante der religiösen Menschheit handelt, die dem Glauben an Gott zumindest ebenbürtig ist. Die Gläubigen haben das Bedürfnis nach Vermittler-Gestalten auf der Ebene zwischen Gott und Mensch. Sie sind so eine Art »Gott zum Anfassen«, nicht zuletzt auch wegen der erbaulichen Geschichten, die mit ihnen verknüpft werden. Ein klinisch reiner Monotheismus ist wohl eher ein intellektuelles Wunschdenken kopflastiger Theologen und weniger eine seelisch befriedigende Form der Frömmigkeit.

( Stephan Surya Nagel )