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Warum Hagar ihr Baby beschneiden lässt und nicht versteht, daß sich Deutsche da einmischen

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Abrahamitische Religionen 1: Judentum und Christentum – eine Vernunftehe

Judentum, Christentum und Islam werden aufgrund gewisser Ähnlichkeiten und einer gemeinsamen Berufung auf den Erzvater/Religionsstifter Abraham gerne als »abrahamitische Religionen« bezeichnet – in Abgrenzung zu den ganz anders charakterisierten Weltanschauungen des Ostens. Grundlegende Gemeinsamkeiten und Unverträglichkeiten sollen hier untersucht werden.

Judentum und Christentum – eine Vernunftehe

Um 200 n.Chr. war es in der Alten Kirche noch umstritten, ob die »Bibel« der Juden in den Kanon der heiligen christlichen Schriften aufgenommen werden solle. Um 350 war der Integrationsprozess abgeschlossen und die jüdische Bibel zum »Alten Testament« der Christen geworden. Ab diesem Zeitpunkt bilden Judentum und Christentum eine Schicksalsgemeinschaft, im Guten wie im Bösen. Im Judentum entstanden danach noch weitere autoritative Schriftensammlungen, wie z.B. der Talmud, doch diese haben für das Christentum keine Bedeutung.

Juden und Christen haben somit eine gemeinsame »Frühgeschichte«, sowohl die Mythen um die Weltschöpfung, das Paradies, die Sintflut, die Wanderungen des Volkes Israel als auch die Zeiten der großen Propheten. Zwischen jüdischen und christlichen Altphilologen bzw. Alttestamentlern gibt es keine grundsätzlichen Meinungsunterschiede in dieser Hinsicht.

Erheblich unterscheiden sich die beiden Religionen in Bezug auf religiöse Vorschriften. Das Judentum kennt 613 Regeln aus der Thora (bzw. den 5 Büchern Mose), 248 Gebote und 365 Verbote, die ein frommer Jude einhalten sollte, z.B. Speisegebote (»koscheres« Essen), keine Tischgemeinschaft mit Nicht-Juden, Reinheits- und Reinigungsvorschriften, Ruhetag am Sabbat, Kopfbedeckung bei bestimmten Anlässen und vieles mehr.

Zum Judentum kann man auch nicht übertreten – zumindest aus orthodox-jüdischer Sicht – er ist keine Missionsreligion mit Weltverbreitungsabsichten. Man muss von einer jüdischen Mutter geboren werden, um überall und voll als Jude anerkannt zu werden. Das Judentum ist streng genommen nicht eine Religion, sondern eine Volksgemeinschaft mit gemeinsamem Glauben, gemeinsamen Traditionen und Riten.

Im Vergleich zum Judentum ist das Christentum eine geradezu »gesetzlose« Religion. Während Jesus von Nazareth von den Juden durchaus noch als jüdischer Reformator anerkannt werden kann – jedoch nicht als Heiland oder Gottessohn -, so geht die damalige jesuanisch-jüdische Gemeinschaft seit Paulus einen eigenständigen Weg als neue christliche Religion. Paulus verwandelte die jüdische Jesus-Konfession vor allem dadurch in eine neue Weltreligion, dass er alle jüdischen Vorschriften für unerheblich und unnötig erklärte. Jeder Nicht-Jude konnte nun der Gemeinschaft beitreten, ohne sich beschneiden zu lassen und ohne die jüdischen Speiseregeln und sonstigen Gebote einhalten zu müssen.

Im Christentum gibt es seitdem keine Vorschriften, keine Riten, keine Regeln, die unbedingt einzuhalten wären, außer abstrakt formulierten ethischen Geboten wie »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«. Die Ablehnung der Thora-Lebensregeln vor allem durch Paulus sowie der Glaube, dass Jesus von Nazareth der Messias und Gottessohn sei, sind die Hauptgründe, weshalb umgekehrt auch das Judentum die christliche »Ketzerbewegung« als unjüdisch verstoßen hat.

Obwohl man meinen möchte, dass eine vom Gesetz geprägte Religion und eine das Gesetz ablehnende Religion einander heftig widersprechen müssten, ist es doch zwischen beiden zu einer immer fruchtbareren Koexistenz gekommen, insbesondere seit der Aufklärung ab etwa 1750. Juden siedeln seit über zwei Jahrtausenden überwiegend und immer stärker im europäisch-christlichen Raum, weitaus mehr als im islamischen Orient. Die moderne europäische und amerikanische Kultur ist von den Juden mitgestaltet worden, der jüdische Anteil ist nicht mehr heraustrennbar. An einem solchen Trennungsversuch scheiterten zuletzt die Nazis.

Für diese Erfolgsgeschichte einer Religionspartnerschaft sind – trotz aller zwischenzeitlichen Rückschläge – vor allem folgende Gründe verantwortlich:

  • Da die Juden sich als von Gott auserwähltes Volk betrachten, gelten die teilweise strengen Lebensregeln der Thora nur für sie selbst. Sie verachten Andersgläubige nicht deshalb, weil sie diese nicht befolgen.
  • Das Judentum ist eine im starken Maße ethnisch definierte Gemeinschaft, sie betreiben deshalb keine Mission von Andersgläubigen.
  • Für viele heutige Christen ist das Judentum ein emotional positiv besetzter Nostalgie-Faktor. Juden repräsentieren die Vergangenheit der Christen, werden von ihnen daher weniger als Anti-Christen, sondern eher als NochNicht-Christen wahrgenommen.
  • Weder Juden noch Christen kennen das Alkoholverbot. Dieser Punkt wird in interreligiösen Analysen stets übersehen, er spielt jedoch eine nicht zu unterschätzende Rolle im Alltag. Jede Kultur hat ihre spezifischen Drogen, die – maßvoll und nach traditionellen Regeln eingenommen – das Miteinander der Menschen fördern können. Dass Juden bei Mahlzeiten, Feiern und Festen zusammen mit ihren christlichen Nachbarn Alkohol konsumieren dürfen, ist gewiss auch der gegenseitigen Freundschaft dienlich. Muslime können sich durch ihre Abstinenz bei manchen sozialen Anlässen durchaus selbst ausgrenzen.
  • Juden und (moderne) Christen betrachten ihre jeweiligen heiligen Schriften – die, wie oben gesagt, zum Teil dieselben sind – nicht wortwörtlich als Gottes eigenes Wort, sondern als menschliche Schriftzeugnisse, die von Gottes Geist beseelt sind. Dies lässt auf beiden Seiten viel Interpretationsspielraum, wodurch dogmatische und ethische Reibungspunkte minimiert werden.
  • Verbunden mit dem Letztgenannten ist die Übereinstimmung, dass die theologischen Einrichtungen beider Religionen seit vielen Jahrhunderten eine Kultur des Intellekts betreiben – mit Thesen, Gegenthesen und ausführlicher Diskussion und Kommunikation. Alles kann in Frage gestellt werden. Den Christen wurde diese Haltung eher von der Geschichte aufgezwungen – von internen Glaubensstreitigkeiten, Ketzerbewegungen, der Reformation und Glaubenskriegen. Im Judentum ist die theologische Auseinandersetzung mit Rede, Widerrede, Wider-Widerrede und letztendlicher Synthesesuche schon zwei Jahrtausende lang intellektuelle Pflichtübung in den Talmud-Schulen. Die jüdisch-christliche Intellektschulung hat das Abendland sehr spezifisch geprägt und ihm u.a. die Entwicklung der Natur- und Geisteswissenschaften ermöglicht, zu der Juden einen überproportional hohen Beitrag geleistet haben und leisten.

( Stephan Surya Nagel )