Warum Hagar ihr Baby beschneiden lässt und nicht versteht, daß sich Deutsche da einmischen

Die Debatte um Beschneidung hat Hagar mitten in ihrer Schwangerschaft überrollt. Daß ihr zweites Kind ein Junge ist, war klar und somit auch, daß das Baby beschnitten wird. Hagar ist israelische Jüdin, lebt derzeit in Deutschland. Hier soll auch das Baby zur Welt kommen. Für Hagar ist klar: Der Junge wird beschnitten, schließlich ist er Jude. Daß ausgerechnet Deutsche jüdischen Eltern vorschreiben wollen, ob sie ihre Kinder beschneiden dürfen – Hagar findet das nicht ok. Für sie gehört die Beschneidung einfach dazu und wenn es verboten wäre, dann hätte sie es in Israel machen lassen.

Die Debatte wirft viele Fragen auf – nicht zuletzt die: Ist es ein Zeichen von Antisemitismus, wenn Deutsche Juden, die ihre männlichen Nachkommen beschneiden lassen, Köperverletzung vorwerfen?

Was meint ihr dazu? Talk to the enemy: Sagt eure Meinung!

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Janeway
Janeway  26.06.2013, 16:27 Uhr
Dieses Thema ist nicht ganz einfach. Zum Einen haben wir nicht das Recht, über andere Kulturen und Gesellschaften und deren Moral und Konventionen zu urteilen, aufgrund der unsrigen moralischen und gesellschaftlichen Konventionen. Doch wenn diese Kulturen und Gesellschaften hier nach Deutschland kommen, hier her immigrieren und die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, erklären diese Menschen sich bereit mit unseren Konventionen der Moral und Rechtsstaatlichkeit, welche zuweilen eng verwoben sind, zu leben und zu akzeptieren. Doch gewährleistet der deutsche Staat mit den Grundrechten im Grundgesetz (GG) die freiheitliche Ausübung jener Religion derer man Angehörig ist (Vgl.: Art.4 Abs.1 und Abs. 2 GG). Doch gewährleistet das GG aus die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen (Vgl.: Art.1 Abs.1 GG), jener Eingriff in Form der Beschneidung stellt, so meine Auffassung, einen drastischen Eingriff auch in die Würde des betroffenen Individuums dar, da diese Individuen als klein Kind bzw. Kind unmündig und ggf. geistig noch nicht entwickelt genug sind, die volle Tragweite zu evaluieren, stellt dies einen religiösen Zwang dar, der den Individuen durch die Eltern anbefohlen wird, ähnlich der Kleinkindtaufe alleinig mit dem Unterschied, dass im Fall der Beschneidung, der religiöse Akt, der eine Veränderung am Körper darstellt, nicht rückgängig zu machen ist, wenn der Betroffene sich im Laufe seine späteren Lebens entscheidet sich von seiner, durch die Eltern anbefohlenen, Religion loszusagen. Das Individuum ist gekennzeichnet für den Rest seines Lebens und muss die ggf. die gewünschte Konsequenz des Handelns der Eltern tragen. Dennoch obliegt die Vormundschaft des Kindes den Eltern, so will es das Recht (Vgl.: Art.6 Abs. 3 und besonders Abs.2). Somit stehen der Selbstbestimmung des eigenen Lebens des Individuums die religiösen Zwänge und Konventionen, sowie Traditionen gegenüber. Somit sage ich, es ist nicht am Staat dies zu regeln und sich somit in andere Kulturen und Gesellschaften mit anderen moralischen Konventionen einzumischen. Vielmehr setzt er Grenzen und Bedingungen als Rahmenwerk unter welchen der Staat bereit ist, jene Kulturen und Gesellschaften in sich zu integrieren. Jene Kulturen und Gesellschaften müssen in sich, sich den Herausforderungen stelle, die entstehen, wenn eine Integration dieser Kultur/Gesellschaft in eine Andere stattfindet. Jene Kulturen und Gesellschaften bedürfen der natürlichen Entwicklung von innen heraus, in diesen Prozess darf der Staat sich nicht einmischen.
Klaus der zweite
Klaus der zweite  31.01.2013, 10:28 Uhr
Ein Video mit Untertitel? Ihr wollt also das Niveau etwas anheben. :o)

Meine Erfahrung ist, das die Ansicht ob die Beschneidung (bei Jungen) Körperverletzung ist, exakt der religiösen Grundeinstellung entspricht. Gläubige Juden/Muslime halten es für einen harmlosen Eingriff, Menschen die den Religionen Kritisch gegenüberstehen sehen die Folgen hingegen für nicht tragbar.

Ich finde es sehr schwierig zu beurteilen, wie schwer die Folgen der Beschneidung tatsächlich sind.
katrin
katrin  21.01.2013, 18:55 Uhr
Juristisch ist das Thema vom Tisch, doch ein schlechter Nachgeschmack bleibt. Daß ausgerechnet Deutsche Juden verbieten wollen, ihre Nachkommen zu beschneiden, das halten wiederum manche Juden für ein Zeichen von Antisemitismus. Worum geht es also? Und wer hat die besseren Argumente in dieser Debatte? Wir lassen nicht nur eine Frau zu Wort kommen, die gerade vor der Entscheidung steht – ihr Baby wird bald geboren. Demnächst hier ein weiterer Beitrag: Berlins Mohel, der einzige Mann, der religiöse Beschneidungen in Berlin durchführen darf, sagt seine Meinung. So viel schon vorab: Er geht hart ins Gericht mit den Kritikern der Beschneidung.